
Ein Körper versucht, in einer neuen Umgebung eine neue Existenz aufzubauen, sich ihr anzupassen und sich neu zu definieren. Dabei trägt der Körper Überbleibsel seiner früheren Reise mit sich - Erinnerungen, Bilder, Eindrücke, Beziehungen. Es scheint, als ob der sich bewegende Körper während der COVID-19-Pandemie in eine neue Realität geworfen wurde, so die Düsseldorfer Choreografin Alexandra Waierstall. In ihrem neuen Solo VENUS UN/SEEN für die Tänzerin Karolina Szymura - begleitet von der musikalischen Komposition des renommierten Düsseldorfer Komponisten und Pianisten Volker Bertelmann, alias HAUSCHKA - versucht sie, spezifische Faktoren einer neuen Welt wie Räumlichkeit, Zeitlichkeit und Beziehungen zu erkunden. Diese Analyse erfolgt durch die Linse der Erinnerung, der Abwesenheit, die Linse des Offensichtlichen und der Unentschlossenheit. Um eine Sprache für diesen Transformationsprozess zu finden, beschließt Alexandra Waierstall, auf die Wahrnehmungsfähigkeiten des Körpers zu vertrauen, anstatt auf die Gewissheit, die die Augen bieten. Der tanzende Körper sammelt, erinnert, verbindet und imaginiert - während seine gebrochene Existenz und Verletzlichkeit weder versteckt noch ignoriert werden; das fragmentierte Selbst wird stattdessen gewürdigt und gefeiert, weil es sich in das neue Terrain, in die neue Realität verwandelt.